OPA OTTO ERZÄHLT

Ich war in meinem Leben viel in der Sonne und bekomme jetzt im Alter die Rechnung in Form von Hautkrankheiten dafür. Ich habe zwar früh gelernt, mich vor der Sonne zu schützen, trage stets eine Kopfbedeckung mit Krempe, die auch Ohren und Stirn schützt, habe beim Baden am Meer immer ein langes Hemd (wie wir es von den Arabern kennen) getragen, habe beim Radfahren immer Gesicht und Hände mit Sonnenschutzcreme eingeschmiert, aber ich habe dabei die Lippen vergessen.

Wie auch immer, es wurde bei mir eine Lippenentzündung diagnostiziert und als Behandlung ein Lip Shave vorgeschlagen. Dabei wird das krankhafte Gewebe aus der Lippe geschnitten und die Innenlippe nach außen gezogen.

Das Ganze klingt eher schrecklich, sind doch die Lippen so empfindlich und ich hab mich – dummerweise, wie ich im Nachhinein weiß – gegen diesen Gedanken lange gesträubt und so fast in Jahr an Lebensqualität verloren. Wie immer, so war auch bei mir die Angst ein schlechter Berater. Aber im Nachhinein ist man immer klüger.

Aber wer in eine ähnliche Situation kommen sollte, kann vielleicht etwas von meiner Dummheit profitieren und früher einen Lip Shave vornehmen lassen.

Die Angst war bei mir wirklich unbegründet. Die Operation in der Hautklinik selbst ist eher kurz, länger dauert die lokale Anästhesie dazu. Nach insgesamt 90 Minuten war alles vorbei. Zwei Operateure schneiden mit dem Messer das Problemgewebe heraus und nähen die Wunde zu.

Ich habe dabei und auch in der Folge keinerlei Schmerzen verspürt! Die Unterlippe sah zwar schrecklich aus, mein Sohn sagte, ich sähe aus, wie der Joker aus dem Batman Film, aber die Folgen sind schnell vorbeigegangen.

Ich war dazu zwei Tage in der Hautklinik, aus meiner Sicht weniger wegen der möglichen medizinischen Probleme, als aus praktischen Gründen. Da durch die Betäubung die Unterlippe stark größer wird, hat man beim Essen Probleme und verursacht – gelinde gesagt – anfangs eine Sauerei dabei. In der Klinik ist man besser darauf vorbereitet und es spielt eine geringere Rolle, wenn in der ersten Nacht man das Kissen mit Blut beschmiert.

Anfangs konnte ich nur Schluckkost essen, das sind im wesentlichen Breie und Suppen, und trinken nur aus einer großen Wasserflasche. Ich habe dabei gelernt, dass tiefe Löffel besser sind als die flachen vom Krankenhaus und eine riesige Serviette (am besten ein ganzes Handtuch) hilft, die schmutzigen Folgen der unbiegsamen Unterlippe zu mindern.

Schon nach 20h Stunden war nach reichlichem Einschmieren mit Bepanthen (das ist zwar ein Augen- und Nasensalbe, aber es half auch bestens für die Lippen) die Unterlippe wieder biegsam genug, dass ich mit einem Strohhalm trinken konnte. Mir war vorher nicht klar, dass dazu ein Unterdruck im Mund entstehen muss und den kann man mit einer steifen Lippe, die den Mundraum nicht abdichtet, nicht zuwege bringen.

Nach zwei Nächten in der Hautklinik, bin ich nach Hause entlassen worden. Während des ganzen Aufenthalts habe ich weder Fieber gehabt, noch Schmerz- oder Schlafmittel genommen. Es war wie ein Kurzlaub in einem Sanatorium. Da hatte ich bei manchem Zahnarzt Besuch wesentlich mehr Schwierigkeiten. So hatte ich beim Lip Shave nie Probleme, verständlich zu reden und mich mit meinen Besuchern zu unterhalten, auch gleich direkt nach der Operation.

Und das ist auch die Message dieses kurzen Beitrags: Lass dich von der Vorstellung, dass da an der empfindlichen Unterlippe herumgeschnipselt wird, nicht beirren und zögere den Eingriff nicht hinaus. Und höre nicht auf Hokuspokus, so nennt mein Sohn die Homöopathie. Gewebe in der Vorstufe zum Hautkrebs schneidet man am besten heraus, finde ich. Wie heißt es so schön bei den Ingenieuren: Was nicht drin ist, das wird auch nicht mehr kaputt!

Hautklinik Tübingen

Und hier mein ganz subjektiver Verlauf: Tag = Tag nach der Operation

Tag 0 (Tag der Operation) : Keinerlei Schmerzen oder Fieber. Alles fühlt sich ganz taub an. Essen kann ich nur Schluckkost, trinken nur aus der Wasserflasche. Wenn man die Lippen mit einem Tuch reinigt, sollte man es vorher nass machen, damit nichts an der Wunde kleben bleibt. Fleißig mit Bepanthen einschmieren. Mach ich. Ich schlafe sehr gut, aber sabbere das ganze Kopfkissen mit Speichel und Blut voll. Zum Glück bin ich am Wochenende allein in meinem Doppelzimmer.

Tag 1: Immer noch die gleiche Kost, aber trinken mit Strohhalm klappt jetzt. Immer noch fühlt sich die Lippe taub an und sieht auch schrecklich aus. Da ich gleich neben der Klinik wohne, gehe ich kurz nach Hause und schaue mir meine E-Mail Post an.

Tag 2: Werde schon am Morgen entlassen. Ich kann duschen und fühle mich weiterhin gut.

Tag 4: Es ist immer noch alles ok. Bei einem Spaziergang durch die belebte Stadt habe ich viel Aufmerksamkeit erfahren!

Tag 5: Spüre nur noch etwas die Nähte. Beim Essen und Trinken keinerlei Einschränkungen mehr! Bin am Vormittag zum Tanzen gegangen und es hat auch niemanden gestört, wie ich aussehe. Wie nach einem Sturz haben, haben einige gemeint.

Tag 10: Die Fäden wurden beim Hautarzt einfach mit einer Schere abgeschnitten. Die Stummeln fallen dann von selbst ab. Alles ganz schmerzfrei. Und es sieht aus wie früher, sagen meine Freunde. Am Abend beim Sport ist es den meisten gar nicht mehr aufgefallen, dass sich was geändert hat.

Tag 11: Ich kann wieder richtig pfeifen! Das ist der ultimative Test, dass die Lippen voll funktionsfähig sind, hat mir mal mein Zahnarzt gesagt. Aber ich schmiere die Lippen immer noch fleißig mit Bepanthen ein.

Nach 2 Monaten: Ich konnte problemlos eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen. Dazu muss man den Mund eine Stunde lang öffnen können.

Nach 8 Monaten sind die Spannungen in den Lippen fast verschwunden. Mit Bepanthen einschmieren muss ich aber immer noch. In ein bis zwei Monaten wird überpüft, ob man nachoperieren muss. Bisher sieht es nicht danach aus.

Abschließendes Fazit nach genau einem Jahr (mit 72 Jahren): Es ist alles fast wie früher, aber auch nur fast. Genau so wie in jungen Jahren wird es nie mehr werden, muss ich leider feststellen. Aber ich kann gut damit leben. Die Lippen spannen kaum noch, aber immer noch muss ich sie regelmäßig einschmieren. Es gibt kaum noch Einschränkungen beim Zahnarzt, ich habe mir sogar eine Brücke einsetzen lassen können (Dauer 3 Stunden). Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Lip Shave!

Nach 2 Jahren (mit 73 Jahren): Es ist noch etwas besser geworden. Noch immmer bin ich sehr zufrieden mit meinem Lip Shave!

 

 

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