OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Ich erzähle gelegentlich folgende Geschichte, die solange zurück liegt, dass darüber längst Gras gewachsen ist.

Ein Student sollte als Praktikumsarbeit einen Mehrkanal-Verstärker bauen und da er wusste, wie dieser wahrscheinlich getestet wird, hat er einfach einen Mehrfach-Umschalter in einen Kasten eingebaut. Da immer nur ein Signal getestet wurde, hat man zu spät den Betrug gemerkt. Im Gegenteil, beim Abnahmetest war sein Gerät super, jedes Signal wurde perfekt wiedergegeben und er hat dafür auch noch Lob bekommen. Wie der richtige Einsatz kam, war dann die Enttäuschung groß, aber der Student war längst weg und dem etwas naiven Betreuer (der nur einmal den Kasten hätte aufschrauben müssen, ich war es übrigens an der ganzen Sache unbeteiligt) war das Ganze so peinlich, dass man den Betrug nicht weiter verfolgt hat. Aber die Story war lehrreich für mich und ich habe später, als ich selbst Produktentwicklung machte, immer auch gründlicher meine Produkte persönlich getestet. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist tatsächlich besser.

Erinnert ein bisschen an Volkswagen im Jahre 2015 oder nicht? Volkswagening nannte man diese Trickserei, die da im großen Stil passiert ist und ebenso unglaublich ist, wie die Story vom Mehrkanalverstärker. Warum ist das niemanden früher aufgefallen? Wo waren die Überwachungsvereine? Wo war die kritische Presse? Wo die Automobilklubs, die Politik? Warum hat da niemand nachgeschaut und nachgemessen?

Ich war ja selbst lange in der Produktentwicklung und ein gewisses Maß an Unwahrheit ist dabei unvermeidlich, habe ich feststellen müssen. Nennt man es nun positives Denken, Pokern, den unerschütterlichen Glauben an den Erfolg, die Angst vor dem Versagen, nicht immer sind die Dinge so gewesen, wie sie vorher dargestellt wurden. Und funktioniert das Tricksen, Lügen, Betrügen, oder wie immer man es dann nennt, einmal, dann verliert auch die Scheu, es immer wieder zu versuchen. So war es früher nicht ungewöhnlich, leere Software-Bänder zu verschicken, wenn man wusste, dass die Empfänger sie ohnehin nicht überprüfen würden. Immerhin hat man dann wenigstens den Liefertermin eingehalten und bis der Betrug aufgefallen ist, hatte man noch etwas Zeit gewonnen.

Wer nur ehrlich war, war zum Misserfolg verdammt. Denn er hat gegen die – auch internen - Konkurrenten stets verloren, die besser, schneller, billiger zu sein schienen. Natürlich war den Firmenleitungen diese Problematik bekannt und sie haben auch versucht, Kontrollmechanismen einzurichten, die dies verhindern sollten. Aber im Endeffekt war die Wahl entweder trickreich zu siegen oder ehrlich unterzugehen, leicht zu entscheiden. Der Sieg hat im Zweifel gewonnen. Und ist was schief gegangen, dann war man entweder nicht informiert gewesen oder man hat – meist gegen gute Bezahlung – jemanden gefunden, der alle Schuld auch sich geladen hat. Und wie beim Studenten am Anfang dieser Story waren die wahren Schuldigen ohnehin schon längst weit weg.

Überall, wo gemessen und nachgeprüft werden kann, wird ein Schwindel, der nicht rechtzeitig korrigiert wurde, früher oder später auffallen. Aber es gibt weite Felder, wo es nur darauf ankommt, besser und glaubwürdiger zu lügen, als die anderen, weil die sogenannte „Wahrheit“ ohnehin lange nicht oder gar nie ans Tageslicht kommen wird. Zum Beispiel die Diskussionen über die Versprechen der Religionen. Das Leben nach dem Tode oder die Paradiese im Himmel. Wie will man hier entscheiden, ob dies auch stimmt?

In der Politik ist es nicht viel anders. Ich höre mir gelegentlich Diskussionen im Bundestag an. Und frage mich dann, ob Regierung und Opposition wirklich beide im selben Deutschland leben, über das sie so sehr unterschiedlich urteilen. Zumindest einer muss doch da lügen oder lügen sogar beide?

Ich habe an anderer Stelle zum Thema Lüge und Wahrheit geschrieben, was ich immer noch für sinnvoll halte. Und ich habe es aufgegeben, dass ich einmal in einer wirklich ehrlichen Umgebung leben werde. Es ist einfacher und unterhaltsamer mit der Unehrlichkeit zu leben. Für die Medien ist Abstinenz eine ganz hilfreiche Vorgangsweise. Religionen betreffen mich persönlich nicht mehr, auch die Politik kann ich zum Glück meist ganz gut ausblenden.

Wer auf die Lügen reinfällt, die ihm täglich aufgetischt werden, wird dies nach einiger Zeit merken. Denn der Vorteil der Wahrheit ist, dass sie zu richtigen Entscheidungen führt. Und Lügen sind der Grund für schlechte Entscheidungen. Hoffentlich durchschaut man Lügen rechtzeitig, damit der Schaden nicht zu groß wird, und vielleicht lernt man auch durch die schlechten Erlebnisse der anderen, damit man nicht selbst die ganze Zeche zu zahlen hat.

Hilfreich sind dazu Gespräche mit alten Menschen. Wer Themen sucht, dem empfehle ich Gespräche über das sogenannte „Gesunde Leben“ mit Ernährung, Sport, Hobbys und ihren Folgen im Alter. Da wird mancher nachdenkenswertes erfahren! Und ein Beispiel füge ich hier gleich an.

Der Irrweg vom gesunden Rad fahren

Rad fahren in Tübingen

Überall, wo grüne Politik propagiert wird, findet man ein Fast-Allheilmittel im Radfahren. Ich denke, dazu kann ich mit einer gewissen Kompetenz was sagen. Denn ich bin selbst wirklich viel Rad gefahren.

Zuerst die kurze Zusammenfassung:
Radfahren kann eine sehr gefährliche Fortbewegungsart werden.

Nicht nur, dass man gegen fast jeden anderen Verkehrsteilnehmer der schwächere ist, sondern auch, weil bei einem Unfall auch ohne andere Beteiligung man sich schwerst verletzen kann. Leider sind alle anderen Zweiradfahrer auch stark gefährdet, aber sie schützen sich etwas besser.

Und auch ohne Unfall ist Rad fahren gefährlich, weil der Aufenthalt im Freien oft zu Hautkrebs führt und die Sitzposition auf einem Sattel zu dauerhaften Schäden an Enddarm und Prostata führen kann.

Die ärgsten Feinde der Radfahrer sind nach meiner Beobachtung übrigens die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, schlechte Ausrüstung (mit Fahren ohne Licht zum Beispiel), Kleidung, die sich verheddern kann oder schlecht sichtbar ist, sowie andere Radfahrer und die Stadtverwaltungen, die nicht wissen, wie man sichere Radwege baut. Oder wenn sie es wissen, sie die Kosten dafür scheuen. Denn gute Radwege sind fast so teuer wie andere Straßen auch.

Besonders mit den vielen Pedelecs (oder E-Bikes), wo nicht nur schnelle, sondern auch schwerere Fahrzeuge aufeinander prallen können, können die Schäden und Verletzungen beachtlich werden.

Ich habe schon einmal ein Mobilisieren mit Fahrrädern erlebt. Es war in meiner Jugend (nach dem 2. Weltkrieg), wo Fahrräder das einzige Individual-Verkehrsmittel waren, das sich viele Menschen leisten konnten und wo die Räder auch noch unsicherer waren. Und ich erinnere mich an die unzähligen Verkehrsunfälle, die ich zum Teil auch persönlich erlebt habe und die mich bis heute schockieren. Da ich arm war, war ein Auto in unerreichbarer Ferne. Also musste ich mich ebenfalls mit Zweirädern abfinden und den damit verbundenen Risiken. Der positive Unterschied heute sind die viel besseren Fahrräder. Lenkerbruch oder Pedalbruch kommen heute kaum noch vor.

Inzwischen bin ich aber alt genug, um bei der Wahrheit bleiben zu können. Radfahren ist ein wunderschönes Hobby, bei gutem Wetter, gemütlich, in kleinen Gruppen (am besten immer zu zweit), mit vielen Pausen, auf guten Radwegen abseits aller Verkehrsstraßen und mit gutem Kopf- und Hautschutz. Und ohne Kopfhörer! Lippen mit starkem Lichtschutz eincremen nicht vergessen. Aber ansonsten im Alltag lieber auf Distanz zu diesem Hype gehen. Man ist auf kurzen Strecken zu Fuß viel sicherer unterwegs. Und wenn das Angebot an Öffentlichen Verkehrsmittel schlecht ist, dann lieber Autos teilen, als das Risiko eingehen, ein Leben lang ein Krüppel zu sein. Sammeltaxis könnten so auch bei uns eine gute Ergänzung zum ÖPNV werden.

Weil das Rad fahren so schön ist, werden viele auch süchtig danach. Ich wurde es übrigens auch. Und wie bei jeder anderen Sucht auch, verdrängt man gerne die Nachteile und möglichen Langzeitfolgen.

Vom 26.4.2018 bis 25.5.2018 habe ich mal einige Unfälle aus dem Polizeibericht vom Polizeipräsidium Reutlingen, zu dem auch Tübingen gehört, zusammen gestellt. Es ist mehr als beeindruckend!

Wer also immer noch glaubt, ich übertreibe, der möge sich doch gerne mal selbst in einer Reha-Klinik umsehen oder seinen Hautarzt befragen. Allgemeine Statistiken zu diesem Thema habe ich leider keine gefunden. Es scheint ein Tabubereich zu sein. Ich brauche sie aber auch nicht mehr.

 

 

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